Berlin/Langenhagen, 12. Februar 2009 - Der krisengeschüttelte Automobilzulieferer Delphi hat nicht nur an seinem deutschen Hauptsitz in Wuppertal, sondern ebenso im bayerischen Neumarkt und im rheinland-pfälzischen Langenlonsheim mit der Kurzarbeit begonnen. Auch wenn das Unternehmen derzeit gerne von der „Krise als Chance“ spricht und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Peter Hintze (CDU), sich am Standort Wuppertal ein Bild der Lage machte, vermissen Branchenexperten ein schlüssiges Konzept des Managements und eine Analyse der Situation.
Dazu gehört für Uwe Röhrig, Inhaber der Automobilberatung International Car Concept (ICC) in Berlin und Hannover-Langenhagen, unter anderem die Frage nach neuen Geschäftsfeldern: „In welcher Ausprägung hat sich das Unternehmen mit seiner Produktpalette allein auf die Automobilindustrie mit ihrem Geschäftsmodell ausgerichtet, welche Alternativen wurden definiert?“ fragt Röhrig. Interessant wäre auch zu wissen, seit wann das Risikopotenzial für das Unternehmen be- und erkannt war, welchen Einfluss der Mutterkonzern in den USA genommen habe und ob Veränderungsprozesse eingeleitet wurden. Erkennbares Krisenmanagement sei bislang nämlich nicht wahrnehmbar, so Röhrig.
Für ihn ist die
Überwindung der Krise auch eine Frage der Firmenkultur,
die allerdings „vom Management ganz entschieden
vorgelebt werden muss - auch und vor allem in
Krisenzeiten. Dazu gehört, dass die Unternehmensleitung
auf bisherige Gehaltsgrößen und Bonizahlungen verzichtet
und nicht, wie so oft, auf Kosten der Beschäftigten
gespart wird“, so der Wirtschaftssenator im
Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). Über
Verbesserungen der Führungsstruktur müsse ebenfalls
nachgedacht werden. „Viele Unternehmen haben ganz
eindeutig zu viele Häuptlinge“, so die Erfahrung des
Automobilexperten. Gleichwohl sieht er auch die
Arbeitnehmervertreter in der Pflicht, sich über
polemische Forderungen hinaus konstruktiv einzubringen.
„Jetzt müssen alle internen Prozesse in der Fertigung,
im Management, im Innendienst und im Vertrieb auf Herz und
Nieren geprüft werden“, fordert der ICC-Chef. „Das
Ziel muss sein, eine nachhaltige Beschäftigungssicherung
und eine effiziente Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Denn wenn
man genau hinschaut, hat es in der Vergangenheit - wie in
anderen Branchen auch - Unterlassungen gegeben, die die
jetzige Situation sowohl des Mutterkonzerns als auch der
Fertigung in Wuppertal hervorgerufen haben.“



