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Autokrise: Zu viel Benzin im Blut

Doch die Zukunft fährt mit Strom

15.05.2009

Berlin/Düsseldorf - Welche Wege führen aus der Autokrise? Wie können sich die Autobauer fit machen für die Zeit nach der Abwrackprämie? Sind PKW aus deutscher Produktion einfach zu teuer? Über diese und ähnliche Fragen diskutiert die Fachwelt. „Meiner Meinung nach müssen die Automobilhersteller nach dem Vorbild der Mobilfunk-Provider ihr Geschäftsmodell umstellen. Nur durch Kundenorientierung und transparentes Pricing können sichtbare Marktanteile in diesem schrumpfenden Markt bewegt werden“, sagt Michael Zondler, Sales Director beim Beratungsunternehmen Harvey Nash http://www.harveynash.de.

„Warum kaufe ich ein Auto bei A, versichere es bei B und gebe es bei C zum Service.? Und warum bezahle ich alle Leistungen extra? Zuzüglich Sprit und Abschreibung ist ein Auto heutzutage die blödeste Alternative sich fortzubewegen“, so Zondler https://www.xing.com/profile/Michael_Zondler. Simplifizierung bringe Kunden: „Die Kunden schließen zum Beispiel einen Mobility-Vertrag ab und bekommen dafür je nach monatlichem Beitrag ein Auto. Sie bestimmen die Kosten, den Luxus- und Service Level - der Hersteller erledigt alles andere für sie.“

In den vergangenen Jahren habe man die Kundenorientierung vernachlässigt. „Welche Kunden haben denn die Hersteller zu diesem wahnwitzigen Wettrüsten der letzten Jahre motiviert? SUV´s mit 2,5 Tonnen, 15 Liter Verbrauch und 80.000 Euro Anschaffungspreis? Limousinen für 50.000 bis 100.000 Euro? Sportwagen jenseits der 400 PS Marke - auf unseren verstopften Straßen?“, fragt Zondler.

Die Hersteller jetzt für die hausgemachten Probleme zu subventionieren, sei dem Wähler schwer klar zu machen. Letztlich lasse sich dies nur mit dem Schutz der Arbeitsplätze begründen. Die meisten der so genannten Premium-Hersteller seien deutsche Unternehmen. Bei ihnen habe sich der viel gelobte deutsche Ingenieursgeist verselbständigt - leider nur in eine Richtung: höher, weiter, schneller statt: cleverer, effizienter, zukunftsorientierter, bezahlbarer und kundenorientierter! „Wenn der Fiskus schon einsteigt, dann müssen die Hersteller zu zukunftsorientiertem Handeln verpflichtet werden - sonst versumpfen unsere Steuermillionen“, so der Sales Director von Harvey Nash.

Was unternimmt die ausländische Konkurrenz, um am Markt zu bestehen? Renault-Nissan beispielsweise startet die Massenproduktion von E-Pkw in Israel. Die Autos sollen ab 2011 bei den Händlern ankommen. Dann sollen zwischen 10.000 und 20.000 Autos jährlich vom Band rollen. Dahinter steckt das Projekt „Better Place" von Shai Agassi. Zondler: „Wenn es funktioniert, macht das sicher Schule - hier sind deutsche Unternehmen gefordert vergleichbare Projekte kurzfristig anzuschieben! Die deutschen Automobilhersteller müssen sich zwei wichtigen Themen stellen: 1. die Kunden benötigen in erster Linie Mobility-Lösungen - dann Produkte. 2. Der Hersteller mit den innovativsten Lösungen wird das Rennen machen - nicht derjenige, der die schönsten und schnellsten Autos baut. In den Vorständen sitzen noch zu viele ‚Dinos’ mit Benzin im Blut - die Zukunft fährt aber mit Strom!“

Autoexperte Uwe Röhrig vom Berliner Beratungsunternehmen International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de schließt sich Zondlers Meinung an. Auch er hält kompromisslose Kundenorientierung für das A und O. „Das fängt mit den erforderlichen Produkten für den uneingeschränkten Wunsch nach urbaner Mobilität an und hört bei kompletten Dienstleistungsbausteinen nicht auf. Denn die Lobbyisten der Mineralölgesellschaften in Verbindung mit den Herstellern von Verbrennungsmotoren und den Politikern, die aus einem schier unermesslichen Steueranteil an jedem Liter Kraftstoff die Hände reibend verdienen, unternehmen alle keine Anstalten, längst überfällige Alternativen zu entwickeln. Diese Art der Realitätsverweigerung ist schon abenteuerlich“, sagt Röhrig, der auch als Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmw.de tätig ist und früher Vertriebschef für Mercedes-Benz und Maybach war.

„Wir sind nicht allein auf der automobilen Welt und in erheblichem Maße abhängig von anderen Weltmärkten und deren Herstellern. Auch in puncto demographische Entwicklung hinken wir hinterher und ignorieren die Bedürfnisse der Generation 60 plus. Hier werden nicht nur entsprechende Funktionen im Auto notwendig; wir müssen uns auch über neue Verkehrskonzepte Gedanken machen. Es sollte nur niemand auf die Idee kommen und pauschal fordern, dass ab einem gewissem Alter der Führerschein zwangsentzogen wird oder ähnliches. Unter dem Strich bleibt im Wesentlichen die alte Weisheit bestehen: ‚Nicht der Reiche frisst den Armen, sondern der Schnelle den Langsamen’. Das geht natürlich nicht immer ohne Geld.“



Tags: autkrise, beratung, icc, röhrig, zondler
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Auto & Logistik > Automotive - 01.10.2009 - International Car Concept (ICC)

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